Wo Generationen sich begegnen
Lachen, Stimmengewirr und der Duft von Kaffee gehören im Alltag der Tagespflege im Friedrich-von-Bodelschwingh-Haus ganz selbstverständlich dazu. In der Einrichtung der Diakonie im Kirchenkreis Halle ist hier ein Ort entstanden, an dem Begegnung und Lebensfreude im Mittelpunkt stehen – Tag für Tag. Ob beim gemeinsamen Singen, bei Ausflügen oder in geselliger Runde: Die Tagespflege ist ein lebendiger Treffpunkt, an dem Menschen zusammenkommen, sich austauschen und Gemeinschaft erleben.
Ein besonders schönes Beispiel dafür ist der Besuch der AG „Jung trifft alt“ der Grundschule Amshausen. Sechs Kinder aus der zweiten und dritten Klasse kommen jeden Mittwoch gemeinsam mit Betreuungskraft Britta Nikolei in die Tagespflege. Doch sie treffen hier nicht auf einen stillen Ort, sondern auf eine offene, herzliche Gemeinschaft, in die sie sofort eingebunden sind.
Der Nachmittag beginnt mit einem gemeinsamen Kaffeetrinken. Die Kinder helfen ganz selbstverständlich mit, decken den Tisch, verteilen Getränke und Kekse. Schnell entstehen Gespräche, es wird gelacht, erzählt und zugehört – ganz ohne Berührungsängste. Danach wird gespielt oder gebastelt, oft passend zur Jahreszeit. Klassiker wie „Mensch ärgere dich nicht“ oder „11er raus“ sorgen dabei regelmäßig für gute Laune.

Was gemacht wird, entscheiden mal die Tagesgäste, mal die Kinder. Wünsche werden ernst genommen, Ideen gemeinsam entwickelt. So entsteht ein Miteinander auf Augenhöhe, das für beide Seiten bereichernd ist. Aus anfänglicher Zurückhaltung ist bei vielen Kindern echte Offenheit geworden. „Manche waren zuerst schüchtern oder hatten sogar ein bisschen Angst“, erzählt Tagespflegeleiterin Iris Brosch. „Aber das legt sich schnell. Irgendwann gehen sie von alleine auf die Senioren zu oder merken, wo sie helfen können.“
Ganz nebenbei lernen die Kinder viel fürs Leben: Rücksichtnahme, Geduld und den Umgang mit unterschiedlichen Lebenssituationen. Auch Themen wie Krankheit, körperliche Einschränkungen oder Demenz werden greifbar – nicht theoretisch, sondern im direkten Miteinander. Für die Gäste der Tagespflege sind die Nachmittage mit den Kindern ein Höhepunkt. „Da wartet man schon drauf“, sagt eine Seniorin. „Meine eigenen Enkel sind groß, die basteln nicht mehr.“
Dass hier echte Verbindungen entstehen, zeigt sich auch über die Treffen hinaus. Zwischen einer Schülerin und einer älteren Dame ist inzwischen eine Freundschaft gewachsen – so eng, dass sie sich mittlerweile auch privat besuchen.

Doch die Begegnungen beschränken sich nicht auf die AG. Auch darüber hinaus ist die Tagespflege eng in das soziale Leben vor Ort eingebunden. So besuchen die Tagesgäste freitags beispielsweise die Kita Emmaus zum gemeinsamen Singkreis – eine weitere Gelegenheit, Kontakte zu pflegen, neue Menschen kennenzulernen und Teil einer lebendigen Gemeinschaft zu sein.
Die AG „Jung trifft alt“ selbst ist unter den Kindern sehr gefragt. Jedes Jahr gibt es mehr Bewerbungen als Plätze, obwohl auch andere Angebote wie Fußball, Handball, Nähen oder Kochen zur Auswahl stehen. Im vergangenen Schuljahr wurde sogar angeboten, nach einem halben Jahr zu wechseln – doch niemand wollte die Gruppe verlassen.
Ein nächster besonderer Moment steht bereits bevor: Am 29. Mai sind die Tagesgäste erstmals beim Tag der offenen Tür der OGS dabei. Dann besuchen sie die Kinder in ihrer Schule und erleben die Gemeinschaft aus einer neuen Perspektive.
So zeigt sich im Alltag der Tagespflege immer wieder: Es sind nicht nur Angebote oder Programme, die diesen Ort ausmachen. Es sind die Begegnungen, das Miteinander und die Freude daran, Zeit miteinander zu verbringen – unabhängig vom Alter.