„Tagespflegen sind unverzichtbar“
Im Rahmen seiner dreitägigen Wahlkreiswanderung machte der SPD-Landtagsabgeordnete Thorsten Klute gemeinsam mit dem Vorsitzenden des Landtagsausschusses für Arbeit, Gesundheit und Soziales, Josef Neumann, sowie Borgholzhausens Bürgermeister Dirk Speckmann Station in der Tagespflege „Am Hermannsweg“ der Diakonie im Kirchenkreis Halle. Im Mittelpunkt des Besuchs standen die Herausforderungen der Tagespflege sowie die Zukunft der pflegerischen Versorgung in einer alternden Gesellschaft.
Empfangen wurde die Wandergruppe von Einrichtungsleiterin Erika Erlei, die die Gäste über die aktuelle Situation der Tagespflege informierte. Die Einrichtung der Diakoniestation Borgholzhausen bietet älteren und pflegebedürftigen Menschen die Möglichkeit, den Tag in Gemeinschaft und mit professioneller Betreuung zu verbringen, während sie Abende und Wochenenden weiterhin in ihrer vertrauten häuslichen Umgebung verbringen können. Gleichzeitig entlastet das Angebot Angehörige, die Pflege und Beruf oder Familie miteinander vereinbaren müssen.

Bei dem Gespräch machte Erika Erlei deutlich, mit welchen wirtschaftlichen Herausforderungen Tagespflegeeinrichtungen derzeit konfrontiert sind. „Erst bei einer Auslastung von rund 90 Prozent arbeitet eine Tagespflege wirtschaftlich“, erklärte sie. Besonders problematisch seien kurzfristige Absagen von Gästen – etwa aufgrund von Krankheiten, Arztterminen oder privaten Verpflichtungen. Mitunter würden Besuche auch spontan abgesagt, weil sich jemand nicht nach einem Ausflug fühle.
„Die Planung erfolgt auf Basis der angemeldeten Gästezahl – sowohl beim Personal als auch bei der Verpflegung“, erläuterte Erlei. „Bei Ausfällen wird nicht gezahlt. Die Mahlzeiten sind jedoch vorbereitet und das Budget bereits ausgegeben. Wenn viele Gäste fehlen, kann es sogar passieren, dass ich Mitarbeitende wieder nach Hause schicken muss.“ Die Problematik wurde auch beim Besuch selbst sichtbar: Von zwölf angemeldeten Gästen waren an diesem Tag lediglich sieben erschienen.
Einrichtungen in Nordrhein-Westfalen würden für solche Ausfälle bislang keine finanzielle Kompensation erhalten. „Bayern ist das einzige Bundesland, das solche Ausfälle ausgleicht. Eine ähnliche Lösung würde ich mir auch für NRW wünschen“, sagte Erlei.
Für Josef Neumann ist die Schwierigkeit bekannt. „Die Vorhaltefinanzierung fehlt“, bestätigte der Vorsitzende des Ausschusses für Arbeit, Gesundheit und Soziales. Tagespflegeeinrichtungen müssten Personal, Räume und Angebote unabhängig von der tatsächlichen Anwesenheit der Gäste vorhalten. Diese Strukturkosten würden im aktuellen System nicht ausreichend berücksichtigt.

Auch Thorsten Klute unterstrich die gesellschaftliche Bedeutung von Tagespflegeangeboten. „Tagespflegen sind ungemein wichtig. Sie schaffen soziale Teilhabe für Leute, die sonst den ganzen Tag allein zuhause sind und sie schaffen Entlastung für pflegende Angehörige.“, sagte der Landtagsabgeordnete. Familienpolitik müsse deshalb weitergedacht werden als nur bis zur klassischen Kernfamilie. „Familien bestehen längst nicht mehr nur aus Eltern und Kindern, sondern häufig auch aus pflegebedürftigen Eltern oder Großeltern.“
Mit Blick auf die demografische Entwicklung warnte Josef Neumann vor steigenden Herausforderungen in den kommenden Jahren. „Die Demografie wird so zuschlagen, dass das Angebot, das wir heute haben, künftig nicht mehr ausreichen wird“, sagte er. Umso wichtiger sei es, bestehende Angebote zu sichern und weiter auszubauen.
Die politische Wandergruppe wurde von den Tagesgästen herzlich aufgenommen. Dabei spielte auch eine persönliche Verbindung eine Rolle: Die Mutter von Bürgermeister Dirk Speckmann war selbst über mehrere Jahre Gast der Einrichtung. In lockerer Atmosphäre kamen Gäste, Mitarbeitende und Politiker ins Gespräch. Gemeinsam wurde mit alkoholfreiem Sekt auf den Geburtstag eines Tagespflegegastes angestoßen – und zugleich auf eine zukunftssichere Pflege.
Die Tagespflege „Am Hermannsweg“ orientiert sich bewusst an den Strukturen des normalen Alltagslebens. Die Gäste werden ermutigt, sich nach ihren Möglichkeiten an Aktivitäten und Aufgaben zu beteiligen. Dadurch können Fähigkeiten erhalten, Selbstständigkeit gefördert und soziale Kontakte gestärkt werden.
Der Besuch zeigte eindrucksvoll, welchen wichtigen Beitrag Tagespflegeeinrichtungen für ältere Menschen, ihre Angehörigen und die Gesellschaft insgesamt leisten. Gleichzeitig wurde deutlich, dass die Einrichtungen angesichts steigender Nachfrage und wirtschaftlicher Herausforderungen auf verlässliche politische Rahmenbedingungen angewiesen sind, um ihre wichtige Arbeit auch künftig leisten zu können.