Ein Blick hinter die Kulissen
Wer an Pflege denkt, hat oft zunächst das klassische Altenheim im Kopf. Auch Juliane Dik ging es so. Die 22-Jährige aus Werther absolviert derzeit ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) bei unserer Diakonie im Kirchenkreis Halle. Dort arbeitet sie auch in den Tagespflegen „Am Sandkamp“ und „Am Wischkamp“. Was sie dort erlebt, hat ihr Bild von Pflege grundlegend verändert – und zeigt eindrucksvoll, wie wertvoll Tagespflege für Gäste und Angehörige sein kann.
Nach ihrem Abitur arbeitete Juliane zunächst, bevor sie sich bewusst für ein soziales Engagement entschied. Im September beginnt sie ihre Studien-Ausbildung zur Hebamme. Die Zeit in der Tagespflege nutzt sie, um praktische Erfahrungen zu sammeln – und ist begeistert von der Vielfalt des Alltags: „Ich habe mir das vorher ganz anders vorgestellt, eher wie ein Altenheim. Aber hier ist jeder Tag anders, viel lebendiger und persönlicher.“
Besonders beeindruckt hat sie der direkte Einfluss auf die Lebensqualität der Gäste. Viele kommen ein- oder mehrmals pro Woche in die Einrichtung – und profitieren sichtbar davon. „Ich bin auch schon im ambulanten Dienst mitgefahren und habe gesehen, wie viele Menschen alleine zu Hause sind und kaum Kontakte haben. Das ist unglaublich traurig. Hier in der Tagespflege merkt man, wie gut es ihnen tut, unter Menschen zu sein und Abwechslung zu erleben.“

Die Tagespflege bietet dabei ein breites Spektrum: Von noch sehr fitten Seniorinnen und Senioren, die einfach Gesellschaft suchen, bis hin zu Menschen mit demenziellen oder körperlichen Einschränkungen. „Solange jemand nicht bettlägerig ist, findet hier eigentlich jeder seinen Platz“, erklärt Juliane. Besonders wichtig sei, dass individuell auf die Bedürfnisse und Fähigkeiten jedes Einzelnen eingegangen werde.
Auch für Angehörige ist das Angebot eine große Entlastung. Das erlebt Juliane nicht nur im Arbeitsalltag, sondern auch im eigenen Leben: Ihre Großmutter in Paderborn besucht selbst eine Tagespflege. „Ich habe jetzt ein ganz anderes Gefühl dabei. Ich weiß, was sie dort erlebt und wie gut ihr das tut.“ Ihre Großmutter genießt vor allem die Gesellschaft und kann ihrem liebsten Hobby, dem Basteln, nachgehen. Gleichzeitig gewinnt der Großvater Freiräume: „Er kann ohne schlechtes Gewissen angeln gehen und weiß, dass seine Frau gut betreut ist.“
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Versorgung: Während zu Hause oft schnelle Fertiggerichte auf den Tisch kommen, erhalten die Gäste in der Tagespflege regelmäßig frisch gekochte Mahlzeiten – ein Plus für Gesundheit und Lebensqualität.
Juliane erlebt täglich, wie belebend zudem die gemeinsame Zeit ist – für die Gäste ebenso wie für das Team. „Es macht einfach Spaß. Und wenn ich doch keine Hebamme werde, dann komme ich zurück in die Pflege“, sagt sie mit einem Lächeln. Für ihre eigene Zukunft hat sie sogar schon eine klare Vorstellung: „Wenn ich einmal älter bin, gehe ich auch als Gast in die Tagespflege. Jeden Tag.“
Wer unsicher ist, ob dieses Angebot das Richtige ist, kann sich unkompliziert informieren: Die Einrichtungen bieten telefonische Beratung sowie einen kostenlosen Schnuppertag an. So lässt sich in Ruhe herausfinden, ob die Tagespflege zum eigenen Leben und dem der Angehörigen passt. Der Aufenthalt in der Tagespflege wird durch die Pflegeversicherung finanziert – zusätzlich zu dem vom Pflegegrad abhängigen Anspruch auf Pflegegeld oder ambulante Pflege.
Die Erfahrungen von Juliane Dik zeigen: Tagespflege ist weit mehr als Betreuung – sie schafft Lebensfreude, soziale Kontakte und spürbare Entlastung für Familien. Ein Konzept, das in einer älter werdenden Gesellschaft zunehmend an Bedeutung gewinnt.
Hier gibt es weitere Infos zum Freiwilligen Sozialen Jahr und unseren Tagespflegen