Bunt am Bauzaun
Ein Schlagzeug spielender Hund lenkt derzeit einige Blicke an der Alleestraße auf sich, ebenso ein Herz, dass für den Tanz schlägt. Zwei großformatige Graffitis schmücken die Zäune an der Baustelle der neuen Regionalstelle Nord des Jugendamtes.
Sie sind eine Leihgabe der Erziehungshilfen der Träger AWO OWL und der Diakonie im Kirchenkreis Halle. Die hatten gemeinsam im Rahmen der Woche der Erziehungshilfe in NRW einen Graffiti Workshop für Kinder und Jugendliche aus dem Bereich Ambulante Erziehungshilfe unter dem Motto „Bunte Wände – Starke Stimmen“ durchgeführt. Im Garten des Kreisfamilienzentrums Steinhagen kamen in der ersten Septemberwoche 12 Kinder und Jugendliche zusammen und sprayten unter Anleitung von Profi Malik Heilmann in kürzester Zeit beeindruckende und persönliche Bilder mit Motiven, die zeigten, was ihnen wichtig ist.

„Und weil wir es schade fanden, dass die dabei entstandenen Kunstwerke nicht darüber hinaus zu sehen sind, haben wir nach Möglichkeiten gesucht, sie auszustellen. Und da das Jugendamt zu unseren engsten Kooperationspartnern zählt, haben wir angefragt, ob wir mit zwei Motiven exemplarisch unsere Arbeit präsentieren und gleichzeitig die Baustelle verschönern können“, erzählt Fabian Drosselmeier, Leiter der Ambulanten Erziehungshilfen der Diakonie.
Susanne Lehmann, stellvertretende Leitung der Regionalstelle Nord und Eva Schone, Jugendsozialarbeit, sagten nicht nur zu, sondern packten selbst mit an, um die beiden Banner an den Bauzäunen zu befestigen. „Das ist eine schöne Idee und wird bis Oktober 2026, wenn wir hier einziehen, hier hängen bleiben“, erklären die beiden Frauen.

Für die Jugendlichen bedeutet die öffentliche Präsentation auch eine Würdigung ihrer Arbeit. „Und auch für uns – die Arbeit der Erziehungshilfe ist oft unsichtbar, jetzt habe wir ein Produkt was entstanden ist und können es zeigen“, sagt Jan Hegemann von der AWO. „Der Workshop war eine super Sache für die Jugendlichen, die sich untereinander austauschen konnten. Auch wenn er herausfordernd war, zum Beispiel, weil einige von ihnen soziale Phobien haben“.
Die ambulanten und stationären Unterstützungsangebote der Erziehungshilfen fördern die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen und sichern das Kindeswohl. Sie werden über das Jugendamt vermittelt, wenn in Familien Alltagsprobleme und Konflikte auftreten oder zeitweise eine intensivere Unterstützung bei der Erziehung benötigt wird.
„Unsere Hilfen zur Erziehung sind unverzichtbar, da sie Kindern, Jugendlichen und Familien in schwierigen Lebenssituationen professionelle Unterstützung bieten“, sagt Fabian Drosselmeier, Leiter der Ambulanten Erziehungshilfe der Diakonie im Kirchenkreis Halle. Besonders wichtig sei es schon früh Hilfe anbieten zu können, um spätere stationäre Aufnahmen von Kindern und Jugendlichen möglichst zu vermeiden und sie so lange wie möglich in den Familien zu belassen.
Wo finde ich Unterstützung?
Eltern, Pflegeeltern, Vormünder sowie Kinder und Jugendliche können sich bei Unterstützungsbedarf an das Jugendamt wenden – etwa bei familiären Konflikten, Überforderung, Entwicklungs- oder psychischen Problemen, Trennung oder belastenden Lebensereignissen. Auch junge Volljährige können diese Hilfen erhalten. Das Jugendamt prüft den Bedarf und vermittelt passende, am Kindeswohl orientierte Maßnahmen, die ambulant, teilstationär oder stationär sein können. Dazu zählen vielfältige Angebote wie Erziehungsberatung, Tagesgruppen oder betreutes Wohnen.